Den (Vor)letzten beißen die Hunde

Was für ein Krimi war das am vergangenen Wochenende! Und was für ein wichtiger noch dazu! Die „Erschde“ sendete gegen den Post SV Nürnberg das lang erhoffte Lebenszeichen und darf sich im Abstiegskampf der Handball-Landesliga weiterhin an einen äußerst dünnen Strohhalm klammern. Eine Niederlage wäre dem sicheren Abstieg gleichgekommen, doch so wahrt der TV Roßtal seine Chance auf den Klassenerhalt.
„Endlich hatten wir einmal das nötige Glück“, resümierte Trainer Wolfgang Schmidt anschließend. Nachdem man eine Woche zuvor erneut um Haaresbreite einen Sieg verpasst hatte, trug Fortuna diesmal eindeutig ein Roßtaler Leibchen. Der erst vierte Saisonsieg dürfte ordentlich Selbstvertrauen für die verbleibenden Aufgaben geben. Nichtsdestotrotz befindet sich die Schmidt-Truppe weiter auf dem vorletzten Tabellenrang, der den Gang in die Bezirksoberliga bedeuten würde. Die Endphase im Abstiegskampf wird am Samstagabend mit der Partie gegen den ASV Cham eingeleitet – ein Aufeinandertreffen, das aufgrund der Tabellenkonstellation einem Endspiel gleichkommt. Die Oberpfälzer belegen den Platz direkt vor der „Erschdn“, und mit einem Sieg könnten die Schmidt-Schützlinge tatsächlich gleichziehen. Dummerweise haben sowohl die Chamer, als auch der Tabellenzehnte Post SV jeweils ein Spiel weniger absolviert, weshalb ein Sieg absolute Pflicht ist, um weiter mitmischen zu können in diesem unglaublich spannenden Abstiegskampf. Definitiv verzichten müssen die Roßtaler auf Rückraumspieler Steffen Schmitt, der sich nach nur wenigen Sekunden im Spiel gegen den Post SV eine Oberschenkelzerrung zuzog.
Was in den letzten beiden Heimspielen galt, darf man auch über den kommenden Gegner eins-zu-eins genauso bilanzieren, kurzum: zuhause stark, in der Fremde schwach! Erst ein Auswärts-Zweier steht auf der Habenseite des ASV, und der auch noch beim Tabellenschlusslicht SG Bad Rodach/Großwalbur, bei dem bekanntlich die Trauben nicht allzu hoch hängen. Das Team von Coach Sylvio Scheurer befindet sich in diesem Jahr doch eher überraschend in den unteren Gefilden der Tabelle, immerhin zählen sie seit Jahren zu den gestandenen Mannschaften der Landesliga Nord. Eine Verjüngung vor der Saison, dazu ein wenig Verletzungspech, und schon läuft es eben nicht so rund, wovon der Gastgeber ja bekanntlich auch ein Liedchen singen kann. In Reihen der Oberpfälzer befindet sich definitiv eines der Gesichter der Landesliga, welches sich aufgrund seiner sportlichen Extraklasse seit Jahren einer Sonderbewachung erfreuen darf. Petr Tahovsky ist ein absolutes Phänomen, da der Tscheche trotz einer fast schon saisonübergreifenden Manndeckung stets zu den besten Torschützen der Liga gehört. Aus diesem Grund zieht es den Hünen seit geraumer Zeit auch immer wieder an den Kreis, wo er ebenso wenig eine schlechte Figur abgibt. Mit Christoph Selmer kehrte zudem kürzlich ein Langzeitverletzter ins Team des ASV zurück, der den Roßtalern in der Vergangenheit des Öfteren Probleme bereitet hatte. Guckt man auf den Kader des ASV Cham, der mit Graßl, Soukop und Weh weitere starke Spieler in seinen Reihen hat, muss man sich doch etwas verwundert die Augen reiben, weshalb die Oberpfälzer in diesem Jahr dermaßen Probleme haben.
Die personellen Parallelen zwischen beiden Teams sowie die Tabellensituation geben genug Stoff für einen echten Handball-Kracher am Samstag. Mehr muss eigentlich nicht gesagt werden vor diesem Aufeinandertreffen, und so darf man sich auf ein echtes Highlight in Sachen Spannung freuen. Die Mannschaft braucht diesmal ganz besonders die Unterstützung der Zuschauer. Hoffen wir, dass der Funke überspringt und am Ende der zweite Sieg in Folge eingefahren werden kann.
 
Manuel Erben

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