Zum Mäusemelken ist die Erfahrung, die der TVR in fremder Halle ein ums andere Mal machen muss, denn auch beim TSV Ismaning ging die Mannschaft von Wolfgang Schmidt mit 26:27 leer aus. Es war wie immer, wenn die „Erschde“ in dieser Saison auswärts antrat, ein enges Aufeinandertreffen. Am Ende war auch alles wie immer, es reichte wieder nicht zu einem Sieg für die Roßtaler, die kurz vor Schluss noch mit 26:25 geführt hatten, am Ende aber beide Zähler in der Fremde lassen mussten.
Eine umso größere Bedeutung erhalten dieser Tage die Heimspiele, in denen man zuletzt zwei Mal in Folge gewinnen konnte. Mit der Gewissheit, gegen jeden Gegner mithalten zu können geht die Mannschaft in sein letztes Hinrunden-Heimspiel gegen den Tabellensechsten HSG Fichtelgebirge. Die Schmidt-Schützlinge empfangen am Samstag einen starken Gegner, der sich vor der Saison sogar den ganz großen Wurf zugetraut hatte. Der Aufstieg in die Bayernliga war zweifelsohne eine hohe Zielsetzung, jedoch alles andere als unrealistisch. Nachdem die Oberfranken im vergangenen Jahr bereits den 3. Tabellenrang erreicht hatten, konnte man sich im Sommer mit zwei tschechischen Neuzugängen nochmals verstärken. Michal Pich, ehemaliger Juniorennationalspieler, macht die HSG-Abwehr noch stabiler, während der 22-jährige Adam Strýc, zuletzt beim tschechischen Erstligisten MAT Pilsen unter Vertrag, vor allem das Angriffsspiel variabler gestalten soll. Darüber hinaus hat die Spielgemeinschaft aus Marktredwitz und Wunsiedel den mit Sicherheit erfahrensten Trainer der Liga an der Seitenlinie. Der 66-jährige Vladimir Haber absolvierte insgesamt 170 Spiele für die Tschechoslowakei und errang mit dieser bei den Olympischen Spielen 1972 in München die Silbermedaille. Später coachte er auch selbst die Nationalmannschaft und war in den vergangenen Jahren in seinem Wohnort Pilsen tätig. Die großen Ambitionen mussten die Oberfranken nun erst einmal begraben, nachdem ihnen der verletzungsbedingte Ausfall einiger Akteure einen Strich durch die Rechnung machte. Das Saisonziel wurde mit Platz zwei bis fünf ein wenig nach unten korrigiert, wobei sich die Mannschaft mit zuletzt drei Siegen in Folge wieder klar im Aufwind befindet.
Die Roßtaler Zuschauer müssen am Samstagabend eine richtig schwere Entscheidung treffen: Das Theaterstück der TVR-Gruppe in der Aula oder das Handballspiel der „Erschdn“ in der Mittelschulhalle. Wer sich für letzteres entscheidet, den erwartet mit Sicherheit eine spannende Partie, in der die Jungs von Trainer Schmidt wie schon gegen Regensburg wieder an ihre Leistungsgrenze gehen müssen, um sich das Weihnachtsfest mit zwei Punkten mehr auf dem Konto zu versüßen.
Um wichtige Punkte gegen den Abstieg kämpfen um 17:30 Uhr die Roßtaler Damen, die es mit der HG/HSC Fürth zu tun bekommen. Die Fürtherinnen, die in der vergangenen Saison als Tabellenvierter in die BOL aufsteigen konnten (die HG Zirndorf III und HG Ansbach II durften nicht, da sich deren 2. beziehungsweise 1. Mannschaft bereits dort befindet), sind mit 8:0 Punkten fulminant in die Saison gestartet. Mit fünf Niederlagen am Stück hat sich die tolle Anfangsbilanz inzwischen relativiert, und so darf man durchaus ein Spiel auf Augenhöhe erwarten.
Den Sprung auf einen Aufstiegsrang verpasste am vergangenen Wochenende die 2. Herrenmannschaft knapp, nachdem man mit 28:30 bei Tuspo Nürnberg verlor. Die Jungs von Sebastian Schuh erhalten am Sonntag jedoch die Gelegenheit, die Scharte in einem direkten Duell mit dem Drittplatzierten TuS Feuchtwangen auszuwetzen. Die Zuschauer dürfen sich auf einen spannenden Schlagabtausch freuen. Anpfiff ist wie gewohnt um 17:30 Uhr.
Abschließend empfängt die „Dritte“ um 19:30 Uhr die HG/HSC Fürth II, um ihren zweiten Tabellenrang zu festigen.
Manuel Erben
