A apple a day keeps the doctor away – außer es ist ein Wurm drin – so wie bei der Erschden
Es stand ein Derby der besonderen Art an. Der große HC Erlangen gab seine Visitenkarte in der Mittelschule in Roßtal ab. Natürlich handelte es sich nicht um den einzigen bayrischen Erstligisten, sondern um die dritte Garde – die U21. Trainiert wird diese Mannschaft von Erlanger Urlegende Tobias Wannemacher, der auf ein großes Arsenal von jungen Spielern zurückgreifen konnte. Eine bunte Mischung aus A-Jugendbundesliga und Drittligaspielern, welche alle munter Spielpraxis sammeln wollten und auch sollten. Auf der anderen Seite waren die dezimierten „alten“ Roßtaler. Verletzungen und volle Lazarettstätten ließen nur eine bedingt eingespielte Rotation zu. Ehrmann erholt sich von einem Muskelfaserriss, Krach fiel krankheitsbedingt aus, Neuzugang Waßmann verletzte sich nach dem ersten Saisonspiel saisonbeendend am Knie und die wirklichn alten Schmidt & Gruber weilten an anderen Ende der Welt. Ach ja – und der Coach der Erschden blieb aus persönlichen Gründen daheim. Interimsmäßig übernahm Bonakder. Alles in allem keine idealen Voraussetzungen. Doch erstmal der Reihe nach…
Nachdem man in der Vorwoche gegen den Aufsteiger aus Forchheim am Ende knapp, aber verdient verlor, stand eine sehr trainingsintensive Woche bevor. Es wurde viel Konditionsarbeit und schneller Handball trainiert. Warum? Man wollte den HC Erlangen mit seinen eigenen Waffen schlagen. Keine Mannschaft spielt in der Landesliga wohl einen schnelleren Handball. Klappt die erste Welle nicht, wird eine zweite oder dritte Welle gespielt. Darauf wappnete man sich! Vorne im Angriff sollte man versuchen „den Mann unter Buben“ Bühler anzuspielen. Den Rest sollte er dann schon machen! Kapitän und emotionaler Leader Chris Nepf lief auf der ungewohnten Position des Spielmachers aus. Gott ist dieser Mann flexibel! In der Abwehr vertraute man Spezialist Meßthaler und seine flinken Hände. Man war sich durchaus bewusst, dass das alles wird, außer einfach – aber verdammt: bei Heimspielen ist man höchst motiviert!
Das Spiel begann auch auf beiden Seiten ausgeglichen. Zwar ärgerte man sich immer wieder mal über klare vergebene Chancen, aber alles in allem war es ok. So stand es nach 11 Minuten 5:4 für die Hausherren. Doch dann machte man auf der Erlanger Bank ernst und wechselte Moritz Moser ein. Ein Spieler, der normalerweise in der zweiten Mannschaft des HC spielt – und ja – das sah man.
Kleine historische Einordnung: Sachen, die passiert sind, seitdem Marcel Cissé das letzte Mal einen direkten Zweikampf verlor:
- Es gab noch keine Smartphones
- Die World Trade Center Türme standen noch
- Es gab noch eine Mauer in Berlin
- Abraham Lincoln war noch Präsident der Vereinigten Staaten
Aber es soll ja immer noch Wunder geben. Blöd, dass es nur ein blaues war und gegen Roßtal sich wandte. Moser erzielte insgesamt 10 Tore und verhalf den Gästen immer wieder zu Toren, wenn sie sie brauchten. Was man auf der Roßtaler Bank brauchte, aber nicht hatte: ein Sauerstoffgerät. Es wurde munter alle 2 Minuten gewechselt, weil Luft ein rares Hab und Gut war. Es war zum Mäusemelken – während man selbst nicht wusste wie man 60 Minuten durchhalten sollte, kannte man in Erlangen nur ein Gas – Vollgas.
Aber bis zum Halbzeitpfiff war man immer noch in Schlagdistanz. Mit 13:17 ging es in die Katakomben. Coach Ari und Assistent Ehrmann vertieften nochmal die Strategie: “Spielt den Bü an.“ So die jugendfreie Version.
Gesagt und fast nie umgesetzt. Blöderweise kam der HC Express jetzt erst so richtig ins Rollen und dieser entschied das Spiel in der 35 Minuten quasi vorzeitig (13:21). Zwar gab man sich nie auf und versuchte so gut es ging dagegenzuhalten, aber mehr als ein Aufbäumen war es nicht – zu viele Fehlwürfe, zu viele technische Fehler und zu viele schnelle Gegentore ließen am Ende ein leistungsgerechtes 26:36 auf der Anzeige aufleuchten. In Erlangen freute man sich kurz und analysierte bereits wenige Minuten nach Spielende, wie man so kräftige Kreisläufer noch besser abschirmen könne. Die Gastgeber aus Roßtal schlichen in die Kabine und finden sich im unteren Tabellenkeller wieder. Man hatte 3 Heimspiele in Folge und nimmt keinen einzigen Punkt mit. Das nennt man wohl eine Serie – eine Niederlagenserie.
Doch es kommt Schlag auf Schlag – am kommenden Samstag spielt man bereits bei der Überraschungsmannschaft Helmbrechts. Diese standen lange am Platz der Sonne und tragen ihre Heimspiele auch noch ohne das geliebte Haftmittel aus. Es wird also spannend. Aber wie sagt man so schön: „Aufgegeben wird nur die Post.“
HAGW
