Hoch geflogen wie Ikarus – aber leider auch mit dem gleichen Ende
In einer Atmosphäre, die an die großen Arenen der Antike erinnerte, trafen der Außenseiter aus der Marktgemeinde und der Favorit in der altehrwürdigen Karl-Heinz-Hiersemann Halle aufeinander: Roßtal gegen HC Erlangen 3. Die Rollen schienen im Vorfeld klar verteilt – auf der einen Seite der souveräne Tabellenführer mit seinem Kader voller Talent und sogar Nationalspielern, auf der anderen Seite Roßtal, gefestigtes Mittelfeld, wachsam mit Blick auf den Klassenerhalt und keinen Nationalspielern. Doch wie einst David gegen Goliath war früh zu erkennen: David ist nicht chancenlos. Doch erstmal der Reihe nach…
Nachdem man in souveränster Art und Weise sich zum Derbysieger gegen Lauf krönte, stand das wohl schwierigste, aber auch irgendwie leichteste Spiel gegen Ligakrösus HC 3 an. Man kann ganz befreit aufspielen und hat nichts zu verlieren! Aber Obacht: viele etablierte Mannschaften sind schon ordentlich unter die Räder gekommen. Es war also angerichtet.
Roßtal, trotz des schmerzhaften Fehlens zweier zentraler Stützen in Persona von Dominik Bühler und Marcel Cissé, trat mit bemerkenswerter Entschlossenheit auf. Man hatte sich unter der Woche akribisch vorbereitet, taktisch klug eingestellt und zeigte von Beginn an, dass man nicht gewillt war, sich kampflos zu ergeben. Wie eine gut formierte Phalanx in der Schlacht hielt die Abwehr stand, während im Angriff mutig und variabel agiert wurde.
Die erste Halbzeit geriet zur eindrucksvollen Demonstration dieses Plans. Mit einer Mischung aus Disziplin und Spielfreude erspielte sich Roßtal eine verdiente 20:14-Führung. Der Favorit wirkte überrascht, fast wie der römischer Feldherr im Teutoburger Wald, der die Entschlossenheit eines vermeintlich unterlegenen Gegners unterschätzt hatte. Barbar Schramm hielt, was es zu halten gab und seine Landsleute griffen mit dem Messer zwischen den Zähnen die gegnerische Defensive unermüdlich an und rissen Lücken, was zu vielen Toren führte! So konnte man zur Halbzeit einen ersten Teilerfolg feiern! Hätte man kurz vor Schluss noch den Strafwurf verwandelt, hätte man noch mehr Momentum mit auf seine Seite ziehen können und die Moral der Gegner noch mehr untergraben können.
Doch wie so oft in den großen Dramen der Geschichte wendete sich das Blatt nach der Pause. Kleine Fehler, kurze Momente der Unachtsamkeit – scheinbar unbedeutend, doch in ihrer Summe entscheidend – ermöglichten es Erlangen, Schritt für Schritt zurück ins Spiel zu finden. Die individuelle Klasse und Tiefe des Kaders machten sich nun bemerkbar. Roßtal kämpfte weiter aufopferungsvoll, doch die letzte Konsequenz und Cleverness fehlten, um die Sensation ins Ziel zu tragen.
Am Ende stand eine 37:33-Niederlage – ein Ergebnis, das schmerzt, aber zugleich stolz machen darf. Denn Roßtal hat gezeigt, dass selbst gegen einen übermächtigen Gegner mehr als nur Widerstand möglich ist. Es war ein Spiel, das in seiner Dramaturgie an eine antike Tragödie erinnerte: heldenhaft, intensiv und mit einem bitteren, aber lehrreichen Ende.
Die Erkenntnis bleibt: Mit etwas mehr Abgeklärtheit wäre an diesem Abend Historisches möglich gewesen.
Es geht Schlag auf Schlag – am Wochenende kommt es zur nächsten Schlacht. Die Männer aus Helmbrechts erheben Anspruch auf die Marktgemeinde und wollen sie unterwerfen. Dies gelang im ersten Aufeinandertreffen im Jahre 2025 a.d. Diese Schmach gilt es zu rächen. Wenn die Außenstehenden und Gladiatoren Roßtals zusammen an einem Strang ziehen, gelingt ein großer Schritt Richtung Ligaerhalt. So bleibt nur noch eins zu sagen: “ROSSTAL UNITED”
HAGW
