TSV Weißenburg – TSV Roßtal II 27:28 (10:14)

Unglaublich – Unfassbar – Unbegreiflich – Unbezwingbar (fast)

In einem an Dramatik nicht zu überbietenden Spiel gewinnt die zweite Herrenmannschaft des TSV Roßtal gegen die Mannschaft aus Weißenburg. Mit noch 4 Sekunden auf der Uhr erzielt Ur-Roßtaler-(Legende) Lukas Franke den entscheidenden Treffer. Das eine Tor Abstand macht -nach 2 Jahren Bezirksliga- den Aufstieg sicher. Der Jubel kennt sowohl am Spielfeld als auch auf der Tribüne keine Grenzen mehr. Doch erstmal der Reihe nach…

Die Ausgangslage war klar: Die roßtaler Zwädde musste gewinnen. Nachdem Feuchtwangen nicht in Mögeldorf antrat, befand man sich 2 Punkte hinter den Nachbarn aus Nürnberg. Da Roßtal den direkten Vergleich vor ein paar Wochen jedoch für sich entscheiden konnte, musste man „nur“ selbst die 2 Punkte einfahren und würde aufsteigen. Im Lager der Roßtaler war man guter Dinge. Zwar verlor man das Hinspiel unglücklich gegen Weißenburg, doch eine gute und rege Trainingsbeteiligung und ein sehr intensives Abschlusstraining ließen Trainer und Mannschaft optimistisch ins sonnige Altmühlfranken fahren. Man hatte fast alle Mannen an Bord und war gewillt, den Sack zuzumachen und eine grandiose Saison mit dem -vielleicht auch etwas überraschenden- Aufstieg zu vergolden. Golden ist auch seine Mähne: Lukas Franke schnürte wieder einmal seine Schuhe und half bei den jungen Wilden auf der Königsposition aus. Wenn man etwas braucht bei einem so wichtigen Spiel, dann ist es Erfahrung – und die liegt mittlerweile in seiner DNA.

Coach Hitzler stellte seine Männer gezielt auf die Gegner ein. Aus einer sicheren Abwehr heraus, wollte man mit einem schnellen Ball einfache Tore erzielen und die Moral der Gegner zumindest etwas drücken. Man habe alle Matchbälle auf seiner Seite und was kann man sich mehr wünschen als dieses alles entscheidende Spiel. Also auf geht´s.

Die Umsetzung des Matchplans gelang in der Anfangsphase ziemlich gut. Hagen hielt und schickte Hennersdorf oder Brockschmidt auf die Reise. So zog man Tor um Tor davon. Nach 7 Minuten stand es 2:5 für die Gäste aus Mittelfranken. Die Abwehr stand, im Angriff schloss man hochprozentig ab. Es hätte ein einfaches Spiel werden können. Aber man wäre nicht die Zwädde, wenn man den Gegner nicht stark machen würde. Leichte Ballverluste und unnötige Fehler luden die Heimmannschaft zu Toren ein und so konnte man sich die ganze erste Hälfte nie vernünftig absetzen. Zwar führte man konstant mit 3-4 Toren, aber es gelang nicht, wirklich davonziehen. So ging es zwar mit einem passablen Vorsprung von 10:14 in die Halbzeitpause, aber von einer Vorentscheidung konnte noch keine Rede sein.

Coach Hitzler war zufrieden, mehr aber auch nicht. Alle waren sich einig, dass man sich selbst das Leben noch zu schwer machte. Auch wusste man, dass die Heimmannschaft bis zum Ende kämpfen und sich anständig von ihren Fans verabschieden wollen würde. Man war gewarnt und wollte weiter Gas geben. Doch Spoiler: Die Mannschaft drückte stattdessen aufs Bremspedal.

Die Zwädde startete denkbar unglücklich in den zweiten Spielabschnitt. In 5 Minuten beging man mehrere technische Fehler & Fehlwürfe. Zwar stand zu diesem Zeitpunkt die Abwehr noch einigermaßen solide, doch im Angriff gelang immer weniger. Die Weißenburger spürten das und versuchten ihr Glück oft über den Kreis oder über gut einstudierte Durchbrüche. So zogen sie insgesamt 11 Strafwürfe. Die Abwehr der Roßtaler stand zu passiv und kam oft den berühmten Schritt zu spät. So gestaltete sich das Spiel immer enger. Den Ausgleichstreffer sollte man zwar (noch) nicht kassieren, die Anspannung auf der Bank und am Spielfeld nahm jedoch spürbar zu. Die Heimfans waren nun voll da und trommelten ihre Mannschaft unablässig nach vorne. Und dann war es so weit: Der TSV Roßtal lag das ganze Spiel nie im Hintertreffen und war seit der 10. Minute konsequent in Führung, aber dann kam die letzte und wohl verrückteste Minute der Saison.

Roßtal ging mit einem schönen Durchbruch von Brockschmidt mit 27:25 in Führung, noch 3,5 Minuten auf der Uhr. Danach wollte jedoch nichts mehr gelingen. Man kassierte ein weiteres Siebenmetertor: 27:26. Die gesamte Mannschaft war nun sichtbar nervös. 90 Sekunden vor Schluss: Ein technischer Fehler. Der vermutlich letzte Angriff des Spiels wurde von den Roßtalern mit Händen und Füßen verteidigt. Normalerweise ist das Fußspiel nicht gestattet, doch handelte es sich um Goalie Schatz, der in bester Heinevetter-Manier durch das Tor flog und den Sieg in den Händen hielt. „Sie glauben diese Geschichte ist wahr? Falsch, sie ist frei erfunden. Ihr Jonathan Frakes“.

Spielstand: 27:26. Weißenburg stellt auf eine sehr offensive Deckung um und will einen Ballverlust, im besten Fall ohne Foul, erzwingen. Franke bringt den Ball nach vorne, will seine jungen Kollegen in die richtigen Positionen dirigieren, vergisst aber seinen eigenen Gegenspieler. Dieser klaut ihm den Ball in bester Jose Alvarado Manier, läuft allein auf Schatz zu… und trifft zum Ausgleich: 27:27. Mit diesem Ergebnis würde man nicht aufsteigen. Noch 29 Sekunden auf der Uhr, kein Time-Out mehr zur Verfügung. Hitzler und Gerbing müssen hilflos mit ansehen, wie der Ball hektisch nach vorne getrieben wird. Sollte die ganze Saison wegen eines einzigen Tores für die Katz gewesen sein?

Beinahe Stürmerfoul. Freiwurf. Die Zeit wird angehalten. Noch 6 Sekunden auf der Uhr. Was dann passierte, ist schwer zu beschreiben: Pfiff – Pass auf den Unglücksknaben Franke, 3 mächtige Schritte, cleverer Abschluss flach an der Mauer vorbei, durch die Beine des Keepers… Tor! Sieg! Aufstieg! Gebrüll! Jubel! Tränen! Fassungslosigkeit! All das in der letzten Minute der Saison.

Welche Emotionen und Gefühle durch den Körper von Franke gingen, weiß nur er. Sieg und Niederlage lagen noch nie näher zusammen und vor allem nicht in seinen eigenen Händen. Fast die Saison hergeschenkt und dann in heroischer Art und Weise alles wiedergewonnen. Und das in 30 Sekunden. Danke Luke! ♥

Aber den Erfolg nur an Franke auszumachen, wäre viel zu kurzsichtig und nicht richtig. Der Kern aus Abwehrriegel Ahner, Spielmacher Brockschmidt, Torkanone Hennersdorf, Slim-Reaper Wiedemann und Schöner (am schönsten, Samuel), brachten die Mannschaft in diese hervorragende Ausgangslage! Handball ist und bleibt ein Mannschaftssport und über die Saison hinweg konnten sich die verschiedensten Spieler mit starken individuellen Leistungen auszeichnen. Daher beendet die Zwädde die Saison auf dem zweiten Platz, mit dem besten Torverhältnis und steigt verdient in die Bezirksoberliga auf!

Das bedeutet: Erstmal genießen und dann, eher früher als später, ran an die Arbeit! Vor allem körperlich und handballerisch muss eine weitere Schippe draufgepackt werden. Die BOL Mittelfranken wird nächste Saison nicht leicht. Aus der Oberliga Nord steigen Stadeln und Lauf/Heroldsberg ab und auch sonst wird es viele interessante, schwierige Derbys geben. Aber der Diamant in Roßtal ist roh, also ran an den Schleifstein und Hau weg!

Wir danken allen mitgereisten Fans! Unser Verein ist etwas Besonderes!

HAGW